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Eine aktuelle österreichische Studie zeigt eine erfreuliche Entwicklung: Die Lebenszufriedenheit von Jugendlichen steigt, depressive Symptome nehmen ab. Gleichzeitig sinkt die Zeit, die sie am Smartphone und auf Social-Media-Plattformen verbringen. Doch während manche einen Zusammenhang mit dem Handyverbot an Schulen sehen, zeigt die internationale Forschung, dass die reine Bildschirmzeit möglicherweise nicht der entscheidende Faktor ist.

In einer Zeit, die von Krisen und einer gefühlten Dauerbelastung geprägt ist, sendet eine aktuelle Untersuchung aus Österreich ein positives Signal: Die Lebenszufriedenheit von Kindern und Jugendlichen hat sich im Vergleich zu den Vorjahren signifikant verbessert. Parallel dazu ist der Anteil jener mit erhöhter depressiver Symptomatik gesunken. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie, die im Rahmen des Präventionsprojekts “Mental Health Days” an über 8.000 Schülerinnen, Schülern und Lehrlingen in Österreich durchgeführt wurde. Die Daten deuten auf eine Trendwende hin, werfen aber auch neue Fragen über den komplexen Zusammenhang von Mediennutzung und mentalem Wohlbefinden auf.

Österreichische Studie: Weniger Zeit am Handy, bessere Stimmung

Die von den Wissenschaftlern Paul Plener (MedUni/AKH Wien) und Tobias Dienlin (Universität Zürich) geleitete Studie zeigt konkrete Veränderungen im Verhalten der Jugendlichen. Die durchschnittliche tägliche Smartphone-Nutzung sank von 221 Minuten im Jahr 2024 auf 190 Minuten im Jahr 2025. Noch deutlicher ist der Rückgang bei der reinen Social-Media-Nutzung, die von 96 auf 80 Minuten pro Tag fiel. Gleichzeitig sank der Anteil der Jugendlichen mit erhöhter depressiver Symptomatik (Screening) von 15 auf 12 Prozent.
Die Studienautoren sehen einen möglichen Zusammenhang mit dem seit Mai 2025 in Österreich geltenden Handyverbot in den ersten acht Schulstufen. Obwohl ein direkter kausaler Beweis fehlt, legt die zeitliche Korrelation eine Wirkung nahe. Die Studie bestätigt zudem, was viele internationale Untersuchungen zeigen: Eine höhere Nutzungsdauer von sozialen Netzwerken geht tendenziell mit einer geringeren Lebenszufriedenheit einher. Ausgenommen von diesem negativen Zusammenhang sind reine Messenger-Dienste und das Lesen von Nachrichtenseiten.
Kennzahl
2024
2025
Veränderung
Smartphone-Nutzung (Min./Tag)
221
190
-31 Min.
Social-Media-Nutzung (Min./Tag)
96
80
-16 Min.
Anteil mit depressiver Symptomatik
15 %
12 %
-3 %-Punkte

Internationale Forschung: Bildschirmzeit allein ist nicht das Problem

Eine kürzlich im “Journal of Public Health” veröffentlichte, großangelegte Studie der University of Manchester kommt zu einem auf den ersten Blick widersprüchlichen Ergebnis: Die reine Bildschirmzeit, sei es durch Gaming oder Social Media, scheint kein Auslöser für psychische Probleme bei Teenagern zu sein.
Die britischen Forscher:innen begleiteten 25.000 Jugendliche im Alter von 11 bis 14 Jahren über drei Schuljahre. Sie fanden keine Evidenz dafür, dass eine intensivere Nutzung von Social Media oder häufigeres Gamen im Folgejahr zu mehr Angstzuständen oder Depressionen führte. “Unsere Ergebnisse stützen nicht die Annahme, dass das bloße Verbringen von Zeit in sozialen Medien oder mit Spielen zu psychischen Problemen führt – die Geschichte ist weitaus komplexer”, so die Hauptautorin Dr. Qiqi Cheng.

Die entscheidende Frage: Was tun Jugendliche online?

Der scheinbare Widerspruch zwischen den Studien löst sich aber schnell auf, wenn man den Fokus von der Quantität auf die Qualität der Mediennutzung lenkt. Hier herrscht unter Expert:innen weitgehend Konsens. Auch die britische Studie betont, dass nicht nur die Dauer, sondern die Art der Online-Erfahrungen entscheidend ist. Verletzende Nachrichten, sozialer Druck, problematischer Content oder das Gefühl, ausgeschlossen zu werden, sind die eigentlichen Risikofaktoren.

Quellen