Kommentar zum Meta Verfahren in den USA von Johannes Knierzinger:
Nicht der einzelne problematische Beitrag steht im Zentrum des aktuellen Vergleichs im Verfahren Meta. Im Zentrum steht das System, das Inhalte auswählt, verstärkt und Menschen möglichst lange auf der Plattform hält.
Plattformen konnten sich bisher häufig darauf berufen, nicht für Inhalte verantwortlich zu sein, die Nutzer:innen veröffentlichen. Die neue Argumentation setzt daher nicht primär beim einzelnen Post an, sondern bei dem, was die Plattform selbst gestaltet: Empfehlungsalgorithmen, Infinite Scroll, Benachrichtigungen und andere Mechanismen, die Aufmerksamkeit binden sollen.
Das ist für mich auch eine persönliche Erinnerung: bereits im Jänner 2018 starteten wir die Initiative #NeverBlogForFree. Zwei ihrer konkreten Forderungen lauteten:
– Die Abschaffung der Privilegien sozialer Medien.
– Eine verpflichtende Transparenz der Auswahlkriterien von News-Filtern auf Plattformen.
Damit haben wir zwei Fragen gestellt, die heute aktueller sind denn je: Warum sollen Plattformen eine Sonderrolle genießen, wenn sie Öffentlichkeit aktiv strukturieren? Und warum sollen wir akzeptieren, dass Systeme entscheiden, was sichtbar wird, ohne die Kriterien dieser Auswahl nachvollziehen zu können?
Die Grundfrage von #NeverBlogForFree war schon damals da: Plattformen sind keine neutralen Durchleiter. Sie gestalten digitale Öffentlichkeit und müssen dafür Verantwortung übernehmen.
Die heutige Debatte geht noch weiter: es geht nicht mehr nur darum, wie Plattformen auswählen. Es geht darum, ob sie Verantwortung dafür tragen, wie ihre Systeme Aufmerksamkeit, Reichweite und Verhalten steuern – und welche Folgen dieses Design insbesondere für Kinder und Jugendliche haben kann.
Ich freue mich über diese Entwicklung im öffentlichen Diskurs, dass Plattformen keine quasi Rechtsfreiheit mehr genießen, und man sieht am aktuellen Verfahren, dass es zu Veränderungen führt. Aber es ist noch ein sehr langer Weg – so realistisch muss man sein.
Für die Digitale Grundbildung ist das zentral: Junge Menschen sollen nicht nur Inhalte kritisch beurteilen können. Sie müssen auch verstehen, wie algorithmische Systeme funktionieren, welche monetären Interessen dahinterstehen und warum digitale Selbstbestimmung und Bildschrimzeit nicht allein eine Frage individueller Disziplin ist.



