Eine neue, umfassende globale Studie der renommierten Brookings Institution kommt zu einem alarmierenden Schluss: Die Risiken des Einsatzes von generativer Künstlicher Intelligenz (KI) im Bildungsbereich überwiegen derzeit deutlich deren Nutzen und könnten die kognitive sowie sozial-emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen nachhaltig untergraben.
Die am 14. Januar 2026 veröffentlichte Studie mit dem Titel “A new direction for students in an AI world: Prosper, prepare, protect” ist das Ergebnis einer einjährigen, weltweiten Untersuchung. Ein Team von Forschenden führte über 500 Interviews und Fokusgruppen mit Schüler:innen, Lehrkräften, Eltern und Technologieexpert:innen in 50 Ländern und wertete mehr als 400 wissenschaftliche Arbeiten aus. Die zentrale Erkenntnis ist eine deutliche Warnung an Bildungseinrichtungen und politische Entscheidungsträger:innen weltweit, den Einsatz von KI-Systemen wie ChatGPT nicht unreflektiert voranzutreiben.
Die “Doom-Loop” der KI-Abhängigkeit
Die größte Gefahr sehen die Autor:innen in der Bedrohung der kognitiven Entwicklung von Heranwachsenden. Die Studie beschreibt eine Art “Doom-Loop der KI-Abhängigkeit”, bei der Schüler:innen zunehmend das eigene Denken an die Technologie auslagern. Dies führe zu einer kognitiven Atrophie, einem Rückgang der geistigen Fähigkeiten, der sonst eher bei alternden Gehirnen beobachtet wird. “Wenn Kinder generative KI nutzen, die ihnen die Antwort vorsagt, denken sie nicht mehr selbst”, erklärt Rebecca Winthrop, eine der Hauptautorinnen und Senior Fellow bei Brookings. “Sie lernen nicht, Wahrheit von Fiktion zu unterscheiden, was ein gutes Argument ausmacht oder verschiedene Perspektiven zu verstehen, weil sie sich nicht wirklich mit dem Material auseinandersetzen.”
Diese Beobachtung wird durch Aussagen von Schüler:innen in der Studie untermauert. Ein Zitat bringt die Haltung auf den Punkt: “Es ist einfach. Man muss sein Gehirn nicht benutzen.” Die Forschenden fanden bereits jetzt Hinweise auf einen Rückgang von Faktenwissen, kritischem Denken und sogar Kreativität bei intensiver KI-Nutzung. Langfristig könnte dies zu einer Generation von Erwachsenen führen, die wesentliche Denkfähigkeiten nie vollständig entwickelt hat.
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Hauptrisiken von KI in der Bildung (Brookings-Studie 2026)
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Kognitive Atrophie: Nachlassende Fähigkeit zum kritischen Denken und zur Problemlösung durch Auslagerung an KI.
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Sozial-emotionale Verkümmerung: KI-Chatbots als “schmeichlerische” Gesprächspartner verhindern das Erlernen von Empathie und den Umgang mit Widerspruch.
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Verstärkte Bildungsungerechtigkeit: Wohlhabendere Schulen können sich sicherere und genauere KI-Modelle leisten, was die digitale Kluft vertieft.
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Datenschutz und Sicherheit: Die Privatsphäre von Schüler:innen ist durch die Datensammlung von KI-Systemen gefährdet.
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Fehlende Empathie und wachsende Ungleichheit
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Gefährdung der sozial-emotionalen Entwicklung. Die Studie kritisiert, dass viele KI-Chatbots darauf ausgelegt sind, den Nutzer:innen zuzustimmen und ihre Ansichten zu bestärken. Dieser “sykophantische” Charakter der KI verhindere, dass Kinder und Jugendliche lernen, mit Widerspruch umzugehen und Empathie zu entwickeln. “Wir lernen Empathie nicht, wenn wir perfekt verstanden werden, sondern wenn wir missverstanden werden und dieses Missverständnis überwinden”, zitiert der Bericht eine:n befragte:n Expert:in. Eine Umfrage des Center for Democracy and Technology untermauert diese Sorge: Fast jede:r fünfte Highschool-Schüler:in gab an, eine romantische Beziehung zu einer KI zu haben oder jemanden zu kennen, der dies tut .



